Presseerklärung
zur
8. Werner-Kollath-Tagung
am 4. November 2008 in Freiburg
"Lasst unsere Nahrung so natürlich wie möglich:
Zur Aktualität Kollaths"
Werner-Kollath-Preis 2008
verliehen an
Dr. Alexander Ströhle
zur Erarbeitung eines Werkes zur Aktualität
der Kollath’schen Forschungsergebnisse
Ehrung des Lebenswerkes
von
Professor Dr. med. Ingrid Gerhard
Professor Dr. med. Werner Kollath war der Begründer der Ernährungswissenschaft in Deutschland. Sein Grundlagenwerk „Die Ordnung unserer Nahrung“, heute 17. Auflage (von 2005), erschien 1942.
Kollath erarbeitete aufgrund von Tierversuchen eine Ernährungstabelle, die, wie Dr. Alexander Ströhle vom Institut für Lebensmittelwissenschaften und Oekotrophologie der Leibniz-Universität Hannover betonte, weitestgehend mit der aktuellen Ernährungspyramide von 2001 übereinstimmt. Dr. Ströhle zeigte, dass Kollaths Fragestellungen zur Bedeutung der Darmflora für die Nahrungsverwertung und Gesundheit des Menschen, sowie den Einfluss der Ernährungsweise auf die Darmflora inzwischen Gegenstand heutiger Forschung geworden sind. Er bezeichnete Kollaths Werke als Fragensammlung für eine künftige Wissenschaft.
In dem Tagungsabschnitt „Kollaths Gedanken in der Ernährungsmedizin“ berichtete Professor Dr. med. Gustav Dobos über die ernährungstherapeutischen Möglichkeiten der Kollath’schen Ernährungslehre bei chronischen Krankheiten. Er verwies auf nachhaltige Therapieerfolge der Ernährungstherapie in Verbindung mit Lebensstil-Änderungen z. B. bei Herzerkrankungen, rheumatischen Erkrankungen sowie Asthma. Bei Beachtung der Kollath’schen Ernährungsempfehlungen und ausreichender Bewegung können Krankheiten weitgehend vermieden werden.
Dr. med. Jörg Melzer leitete aus den Ergebnissen Kollaths und der Vollwerternährung naturheilkundliche Ernährungsempfehlungen ab und Dr. med. Roman Huber beschäftigte sich mit therapeutischen Effekten des Heilfastens, insbesondere bei Diabetes mellitus.
Im ernährungswissenschaftlichen Teil der Tagung rekonstruierte Dr. oec. troph. Karl von Koerber die Entstehung der Vollwert-Ernährungstabelle aus den Ernährungstabellen Kollaths.
Privatdozent Dr. oec. troph. Bernhard Watzl ging von den Vermutungen Kollaths aus, dass bestimmte Stoffe in Lebensmitteln, die er „Auxone“ nannte, eine besondere gesundheitsfördernde Wirkung entfalten, die Kollath labortechnisch noch nicht nachweisen konnte. Dr. Watzl schilderte, wie diese Stoffe durch die Forschung als sekundäre Pflanzenstoffe identifiziert wurden und stellte den neuesten Stand der Forschung zu ihrer Wirkungsweise dar.
Professor Dr. Ingrid Hoffmann schließlich brachte die Gedanken Kollaths zu induktivem Denken (Berücksichtigung der Einzelteile eines komplexen Systems) und deduktivem Denken (vom komplexen Ganzen ausgehend) in der Ernährungsforschung mit dem aktuellen Wissensstand über vegetarische Ernährung zusammen. Sie entwickelte daraus zum Einen ein Bild, das die Komplexität dieses Themas verdeutlichte. Zum Anderen demonstrierte sie -wie ehemals von Kollath und inzwischen auch von der Ernährungsökologie gefordert-, dass es für komplexe Ernährungsthemen unerlässlich ist, beide Herangehensweisen zu verwenden.
In der anschließenden Diskussion der Referenten mit Professor Dr. Claus Leitzmann über die Aktualität Kollaths wurde insbesondere die ganzheitliche Betrachtungsweise Kollaths als visionäre Anregung für die heutige Wissenschaft hervorgehoben sowie dessen Fähigkeit, von seinen wissenschaftlichen Ergebnissen alltagstaugliche Ernährungsempfehlungen abzuleiten. Wichtige Hinweise für eine Forschungsorientierung in Kollaths Werk bleiben z. B. mit den Bereichen Darmflora, sekundäre Pflanzenstoffe und Epigenetik aktuell.
Professor Leitzmann hob in seiner Ehrung des Lebenswerkes von Professor Dr. med. Ingrid Gerhard ihre Leistung bei der Integration der Naturheilverfahren in die Frauenheilkunde sowie ihre Therapien bei Fertilitätsstörungen hervor. Sie forschte auf den Gebieten der gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, am Zusammenhang von Ernährung und Brustkrebs, sowie Osteoporose. Bei allen Tätigkeiten fiel der besondere Charme und eine sehr positive Ausstrahlung von Professor Dr. med. Ingrid Gerhard auf.


Werner-und-Elisabeth-Kollath-Stiftung
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